Bücher
 Schreibtipps
 Lesungen
 autorenforum.de
 Schreib-Links
 wiss. Links
 Home
 Lektorat etc.
 Autorenecke
 Service
 Referenzen
 Kontakt
BuiltByNOF
 Schreibtipps

Vor allem im “Tempest”, dem Webnewsletter für AutorInnen von autorenforum.de, sind in den letzten Jahren zahlreiche Artikel von mir zum Schreiben und Veröffentlichen erschienen. Stöbern Sie doch einfach mal unter diesen Links:

Da die Suche nach einem passenden Verlag einer der wichtigsten Schritte zur Veröffentlichung ist, finden Sie hier außerdem einen Erfahrungsbericht über die Verlagssuche für mein erstes Bilderbuch - mit vielen Tipps, was man dabei falsch und was man richtig machen kann ...

 

FredMein erstes Bilderbuch (von Gabi Neumayer)

Nein, dies ist keine Geschichte über das erste Buch, das ich jemals gelesen habe. Es ist auch nicht die Geschichte des ersten Buches, das ich veröffentlicht habe. Es geht um meine ersten "fiction"-Veröffentlichung und das, was ich dabei alles gelernt habe. Im März 1998 ist bei Lappan das Bilderbuch "Fred und Marie" herausgekommen - geschrieben von mir, illustriert von Wilfried Gebhard. Ich möchte euch hier erzählen, wie es soweit kommen konnte, und euch dabei einige Tipps und Hinweise geben: Was kann man alles falsch machen? (Da habe ich einiges ausprobiert ...) Welches Vorgehen verspricht Erfolg - oder schließt ihn zumindest nicht von vornherein aus? Im Laufe meiner Veröffentlichungsbemühungen habe ich einiges gelernt, das mich im Nachhinein doch sehr staunen lässt, dass es jemals zu dieser Veröffentlichung kommen konnte. Vielleicht hilft dieser Artikel der einen oder dem anderen von euch, einige Fehler zu vermeiden.

Die Suche nach dem idealen Verlag

Auf den Ostersonntag 1996 hatte ich mich gründlich vorbereitet. Klar, zuerst mal hatte ich eine Geschichte geschrieben, die ich an einen Bilderbuchverlag verkaufen wollte. Da meine zeichnerischen Qualitäten nicht ganz an die eines dreijährigen Kindes mit zwei gebrochenen Armen heranreichen, wollte ich nur das Textmanuskript einreichen und dem Verlag großzügig die Auswahl eines Illustrators, einer Illustratorin überlassen.

Als das Manuskript fertig war, hatte ich es einige Wochen ruhen lassen und es dann gründlich überarbeitet. Danach hatte ich mich auf Verlagssuche begeben: Ich hatte die Bilderbuchabteilungen der Kölner Buchhandlungen durchstöbert und mir dabei passende Verlage notiert.

Der "Banger"

Dann hatte ich mir den "Banger" vorgenommen - das Verzeichnis deutschsprachiger Verlage. (Das gibt's in jeder Buchhandlung, man braucht es also nicht unbedingt selbst zu kaufen - ich habe 1996 137 DM dafür bezahlt ...). Im Verzeichnis der Fachbereiche hatte ich mehrere Hundert Verlage gefunden und schon allein wegen der Fülle (und wegen der horrenden Portokosten!) die Schweizer und die österreichischen Verlage gestrichen. Außerdem habe ich die Verlage aussortiert, die nicht über einen Faxanschluss verfügten.

200 Faxe ...

Dann habe ich einen großen Stapel Schmierpapier genommen (Blätter, deren Rückseite schon bedruckt war), habe einen kurzen Faxtext aufgesetzt - und ihn, indem ich immer nur einen neuen Verlagsnamen eingesetzt habe, etwa 200-mal auf dem PC kopiert. Je zwei Texte passten auf ein Blatt; der Text enthielt nur eine kurze Bitte um ein Verlagsprogramm mit dem Hinweis, dass ich mich als Autorin dafür interessiere.

Ich habe alle Blätter auseinander geschnitten, unterschrieben (puh!), nach Verlagsnamen geordnet und in einem Stapel neben meine Faxnummernliste gelegt. Und dann ...

Ostersonntag 1996, 0:01 Uhr nachts

... war es soweit. Billigtelefontarif ausgenutzt, und nichts wie ran ans Faxgerät! Es war eine lange Telefonsitzung, aber zumindest hat sie mich nicht besonders viel gekostet ... Und in den folgenden Wochen wurde ich für diese Mühe reich belohnt.

Programme sichten

Etwa 70 oder 80 Verlagsprogramme trudelten in den folgenden drei Wochen bei mir ein. Ich machte mich daran, die passenden für mein Manuskript herauszusuchen. Kriterien waren für mich zum Beispiel:

  • der Umfang des Programms
  • die Länge der verlegten Bilderbücher (Normallänge ist übrigens 32 Seiten, auch 24 kommen vor, auch mal 36, 40 oder sogar mehr - aber nur sehr vereinzelt!)
  • die Altersangaben bei den Büchern (mein Buch war noch nichts für Dreijährige!)
  • die Themen (manche Verlage sind zum Beispiel spezialisiert auf Dritte-Welt-Themen oder religiöse Literatur)
  • die AutorInnen (manche Verlage verlegen nur Klassiker oder bevorzugt englische AutorInnen o. Ä.)

Ich hatte damals noch keine Datenbank  kann aber jedem und jeder nur empfehlen, diese Daten so festzuhalten, dass sie unter den verschiedenen Aspekten Zugriff auf die passenden Verlage haben! Sonst muss man für jedes neue Manuskript alles neu durchsehen ... Übrig blieben etwa 20 Verlage, die ich noch mal in eine Rangfolge brachte.

Reger Briefverkehr (Ablehnungen etc. ...)

Mein Briefpaket

Das Manuskript habe ich professionell formatiert (Normseite, 30 Zeilen zu je 60 Anschlägen, Zeilenabstand 1,5 oder 2), gelocht und in einen Plastikhefter in einer angenehmen Farbe eingeheftet (ein schwarzer Hefter zum Beispiel wirkt wenig anregend). Lose unter die Deckfolie des Hefters kam dann mein Anschreiben. In der Betreffzeile stand, dass es um ein Manuskriptangebot geht und wie es heißt. Im Text habe ich eigentlich nur kurz (in einem Satz!) zusammengefasst, worum es in dem Buch geht, und geschrieben, dass ich hoffe, dass sie das Manuskript mit Vergnügen lesen und für einen Veröffentlichung in ihrem Verlag für geeignet halten werden.

Ich denke, das Anschreiben sollte wirklich nicht viel mehr als das enthalten - falls ihr nicht schon Lorbeeren in genau diesem Bereich von Publikationen oder spezielle Kontakte zum Verlag vorzuweisen habt oder falls euer Buch nicht thematisch genau auf das Verlagsprogramm zugeschnitten scheint. Dass ich zum Beispiel Journalistin und Sachbuchautorin bin, gehörte da nicht hinein - für den Verlag relevante Information, das ist das Einzige, was interessiert! (Auf meine Sachbücher würde ich also nur dann hinweisen, wenn der angeschriebene Verlag auch Sachbücher für Kinder verlegt.)

Frustvorbeugung

Weil ich wusste, wie lange es dauern kann (bis zu einigen Monaten), bis ein mit Stapeln von unverlangt eingesandten Manuskripten eingedecktes Lektorat reagiert, habe ich gleich fünf Manuskripte auf einmal verschickt. Das hilft bei mir übrigens auch gut gegen Ablehnungsfrust: Wenn eine Ablehnung kommt, sind ja noch vier andere hoffnungsvolle Manuskripte unterwegs! Und damit das auch immer so bleibt, kann man Folgendes tun:

Sobald eine Ablehnung ankommt, sollte man das Manuskript direkt wieder eintüten und in die Welt hinausschicken - mit einem neuen Anschreiben für den nächsten Verlag. So hat man immer mehrere Eisen im Feuer und hängt die Hoffnungen nicht ausschließlich an eine Antwort. Denn wenn die dann negativ ausfällt ...

Viel Frust kann man auch dadurch vermeiden, dass man nicht bei Formbriefen (meistens) oder auch bei Ablehnungen mit individuellen Anmerkungen (seltener, ist schon was Besonderes!) nachhakt - womöglich auch noch empört. Das Einzige, was man davon haben kann, ist, dass man diese VerlagsmitarbeiterInnen auch für zukünftige Projekte vergrault ... Außerdem sollte man sich über die eigenen Ziele im Klaren sein: Will man einfach nur Lob von allen oder strebt man eine Veröffentlichung an? Im letzten Fall kommt es ja nur darauf an, dass ein Verlag das Buch drucken will - andere Meinungen muss man dann nicht wie persönliche Angriffe oder den drohenden Weltuntergang behandeln.

Den Überblick behalten

Das Jonglieren mit mehreren Verlagen gleichzeitig verlangt danach, dass man zumindest eine kleine Liste führt, die den Stand der Dinge aufzeigt. Ich verwende dafür eine Datei, in der in Tabellenform Folgendes steht:

  • Titel des Manuskripts
  • angeschriebener Verlag
  • Datum des Versands
  • Datum des Bescheids (in der Regel also: der Ablehnung)
  • spezielle Anmerkungen (zum Beispiel, wenn der Verlag Interesse an einem anderen Manuskript bekundet)

Chancen wahrnehmen!

Falls der Verlag euer Manuskript ablehnt (vielleicht aus formalen Gründen - "zu lang" oder so), aber Interesse daran zeigt, etwas anderes von euch zu lesen (vielleicht noch unter Angabe von Themen, zu denen man im Moment etwas sucht; ist mir mit einem anderen Manuskript passiert): Dann nehmt diese Gelegenheit auf jeden Fall wahr! Es ist schwer genug, einen Fuß in die Tür zu bekommen! Wichtig ist dabei aber, dass ihr innerhalb der nächsten Wochen reagiert - bevor das Thema nicht mehr aktuell ist oder ihr schon wieder in Vergessenheit geraten seid. Allerdings muss das Manuskript dafür natürlich ebenso ausgefeilt und professionell sein wie bei einer Blindeinsendung; sonst habt ihr diese Chance so schnell verspielt, wie ihr sie bekommen habt.

"Ja, ich will" - der Vertrag

Die Monate zogen ins Land, und ich schickte weiter meine Manuskripte in die Welt  mit den verschiedensten Ablehnungsreaktionen. Da ich längst schon an anderen Projekten arbeitete, vergaß ich dieses beinahe - das Auspacken und Eintüten der Manuskripte geschah nur noch nebenher und fast automatisch.

Dann - etwa ein Dreivierteljahr nach meiner Einsendung(!) - erreichte mich ein Brief vom Lappan-Verlag. Man wollte mein Buch als Bilderbuch verlegen. Als ich die Gründe las, warum es so lange mit einer Reaktion gedauert hatte, wurde mir immer klarer, wie viel Glück ich in meiner Unwissenheit gehabt hatte, denn: Eigentlich nimmt man dort nur Manuskripte, die neben dem Text auch die Illustrationen enthalten (hatte ich nicht), und der Verlag bringt nur ganz wenige Titel im Jahr heraus. Aber glücklicherweise hatte ihnen meine Geschichte so gut gefallen, dass sie sie trotz fehlender Illustrationen auf den "Mal sehen"-Stapel gelegt hatten. Und nach vielen Monaten hatten sie sie wieder gelesen und immer noch gut gefunden ... Schwein muss man auch mal haben! Erst später habe ich dann erfahren, dass mein Manuskript zu allem Überfluss auch noch eigentlich zu lang war ... (Für die übliche Länge von 32 Druckseiten sind 12,5 Normseiten Text eine Menge. Manche andere Verlage nehmen für ihre Bilderbücher zum Beispiel nichts an, was mehr als 6 Normseiten lang ist!)

Man teilte mir mit, welchen Illustrator man ins Auge gefasst hätte (sein Stil gefiel mir sofort sehr gut, als ich im Prospekt blätterte!), dann kam der Vertragsentwurf.

Den Vertrag prüfen

Nein, ich habe nicht sofort geschrieen: "Her damit, ich unterschreibe alles!" Das sollte man niemals tun. Ich habe mir einige Bücher genommen, in denen ausführlich kommentierte Vertragsbeispiele stehen (Liste am Ende dieses Artikels), und bin den Vertrag Punkt für Punkt durchgegangen. Erfreulicherweise war das so ziemlich der fairste Vertrag, den man mir je angeboten hat ... So habe ich nur wegen einiger Kleinigkeiten Rücksprache gehalten und den Vertrag dann unterschrieben zurückgeschickt - zusammen mit einer Diskettenversion meines Manuskripts in neuer Rechtschreibung, wie vereinbart. (Schludert auch nach der Vertragsunterzeichnung auf keinen Fall mit noch ausstehenden Leistungen, weder zeitlich noch inhaltlich!)

Ein Vertragsentwurf ist genau das: ein Entwurf. Weder ist das was Heiliges, noch ist es ein Sakrileg oder eine Überraschung für den Verlag, wenn man über einzelne Punkte verhandeln will. Sie machen - entgegen verbreiteter Ängste - keinen Rückzieher, nur weil man über einzelne Punkte verhandeln will! Man sollte sich nur nicht in Kleinkram verlieren, sondern sich auf das Wesentliche konzentrieren (Honorar, Rechte).

Beim Honorar sind das Wichtigste übrigens nicht die Prozente an sich, sondern die Bezugsgröße: Besteht auf den Ladennettopreis (Ladenpreis minus Mehrwertsteuer) als Berechnungsgrundlage; beim Verlagsabgabepreis werden erst alle Rabatte etc. abgezogen, so dass die gleiche Prozentangabe dabei bis zu 50 Prozent weniger Geld für euch bedeuten kann!

Also: Zieht möglichst eines der unten empfohlenen Bücher zu Rate, bevor ihr einen Vertrag unterschreibt! Sonst seid ihr nachher vielleicht unglücklicher als ohne Buchveröffentlichung ...

Mein Vertrag umfasste neben angemessenen Prozenten (vom Ladennettopreis!) auch noch einen üppigen Vorschuss - was besonders angenehm war, weil die Veröffentlichung erst für mehr als ein Jahr später angepeilt werden konnte (bis dahin was das Programm schon voll).

Die Zusammenarbeit mit dem Verlag

Insgesamt war ich ein rechtes Glückskind, was meinen Verlag angeht: Nicht nur hatten sie meine Geschichte trotz einiger Widrigkeiten (siehe oben) so sehr gemocht, dass sie sie verlegen wollten - nein, sie hatten mir auch einen guten Vertrag angeboten und einen Illustrator vorgeschlagen, der mir gefiel. Da nahm ich es gerne in Kauf, dass es noch so lange bis zur Veröffentlichung dauern sollte.

Bis zur Veröffentlichung zeigte sich der Verlag ebenfalls sehr kooperativ: Ich bekam die ersten Skizzen des Illustrators und durfte Anmerkungen und Änderungsvorschläge machen. Der Illustrator selbst schickte mir Kopien der fertigen Zeichnungen in Originalgröße zu. Ich bekam die Korrekturfahnen vor dem Druck. So war ich einerseits immer auf dem Stand der Dinge, und mir wurde andererseits die Zeit nicht unendlich lang ...

Nur dass das Buch dann im Frühjahr 98 erscheinen sollte statt wie geplant im Herbst: Das habe ich nicht vom Verlag, sondern von einer befreundeten Buchhändlerin erfahren, die im Verlagsprospekt darüber gelesen hatte. Aber das war eher ein Anlass zur Freude, weil das Warten nun ein Ende haben sollte.

Wenn euer Verlag nicht so informationsfreudig und kooperativ sein sollte: Fragt ruhig selbst hin und wieder nach und zeigt euer Interesse am Fortgang des Projekts. Je mehr ihr wisst und kennt, desto mehr Einfluss könnt ihr auch nehmen und desto zufriedener werdet ihr nachher mit dem Ergebnis sein.

Feiern  und dann?

Im März 1998 war es dann so weit: Ich bekam ein Paket mit meinen Freiexemplaren vom Verlag. Zum ersten Mal hatte ich das Buch nun in Farbe vor Augen! Es war wunderbar. Und natürlich informierte ich sofort alle Freunde darüber ... und hörte in den folgenden drei Wochen ständig neue Geschichten darüber, wie man sich vergeblich bemüht habe, das Buch zu bestellen ... Merke: Wenn man die Freiexemplare bekommt, kann es noch einige Zeit dauern, bis das Buch auch im Handel erhältlich ist!

Aber ich wollte mich nun nicht auf die faule Haut legen, sondern begann mir Gedanken darüber zu machen, was ich dazu tun konnte, damit dieses Buch weithin bekannt und oft gekauft würde. Was ich dafür tue und welche Überraschungen ich dabei bisher erlebt habe?

Leute, Leute ...

Ich beschloss, alle FreundInnen, Bekannte, Verwandte, Arbeitskontakte, ehemalige Bekannte, frühere FreundInnen etc. mit einem Infoblatt zum freudigen Ereignis zu beglücken. Die schriftliche Form hatte in meinen Augen mehrere Vorteile:

  • Ich konnte eine Illustration integrieren und damit schon einen Eindruck von der Bilderseite des Buches vermitteln.
  • Ich konnte alle relevanten Informationen (Titel, Verlag, Preis, ISBN-Nummer, Seitenzahl, empfohlenes Lesealter etc.) zusammenstellen und dadurch die Suche nach dem Buch erleichtern.
  • Eine schriftliche Information wird nicht so schnell vergessen wir eine mündliche.

Ich kopierte etwas aus dem Verlagsprospekt, entfernte den Text neben der Abbildung und verfasste einen eigenen - lustig, animierend und mit allen Informationen. Unterschrift und Anrede habe ich jeweils handschriftlich eingetragen. Dieses beidseitig bedruckte Blatt flatterte dann so ziemlich jedem und jeder aus einem meiner zahlreichen Adressbücher ins Haus ...

Ich versäumte es auch nicht, in jedem Brief, jedem Telefonat und jeder E-Mail in der folgenden Zeit auf mein eben erschienenes Buch hinzuweisen. (Für die Briefe wäre ein passender Aufkleber noch eine gute Idee.)

Überlegt auch, ob ihr "MultiplikatorInnen" in eurer Bekanntschaft habt:  JournalistInnen, KindergärtnerInnen (bei Bilderbüchern), LehrerInnen, BuchhändlerInnen etc. Sie können einiges für die Verbreitung eures Buches tun.

Buchhandlungen

Mehr aus Spaß bin ich dann - als das Buch schließlich auch im Handel zu bekommen war - durch einige Buchhandlungen meiner Heimatstadt gebummelt. Ich wollte mich als hoffnungsvolle lokale Autorin vorstellen, deren Buch zumindest sichtbar ausgestellt werden sollte ...

Die böse Überraschung: Bis auf eine der ersten fünf Buchhandlungen hatte keine mein Buch bestellt! Der Grund: Es hatte Probleme gegeben, so dass viele diesmal nichts von Lappan geordert hatten - ja, auch so was kann passieren! Das bedeutet dann natürlich auch, dass potentielle KäuferInnen überhaupt nichts von der Existenz des Buches erfahren!

Als ich das wusste, tingelte ich systematisch durch die Buchhandlungen, wies auf das Problem hin und darauf, dass sie das hoffentlich nicht hindern würde, das hervorragende Erstlingswerk einer Kölner Autorin nachzubestellen ... Die meisten haben das auch getan.

Außerdem biete ich immer an, dass ich einige Bücher signiere; auch darauf lassen sich manche ein. Das hat nicht nur den Vorteil, dass dann mehrere Exemplare in dieser Buchhandlung vertreten sind. Zusätzlich werden signierte Bücher meist extra (also: sichtbar!) ausgelegt, zum Beispiel auf der Kassen oder Informationstheke.

Andere Werbemaßnahmen

Es gibt noch viele andere Möglichkeiten, für euer Buch Werbung zu machen, zum Beispiel:

  • Lesungen in Schulen, Buchhandlungen, Cafés
  • Vorstellung im (Lokal)-Radio oder Fernsehen, in lokalen Printmedien
  • Einsendung des Buches zu Wettbewerben (das machen meist die Verlage)

Nutzt vor allem in eurem Umfeld die medialen Möglichkeiten, denn das Interesse an lokalen AutorInnen ist von vornherein meist größer als an AutorInnen von "irgendwo anders".

Fragt auch ruhig bei eurem Verlag nach, was ihr selbst zur Werbung tun könnt - und wie es mit der Bewerbung um Literaturpreise etc. steht: Macht das der Verlag? Oder stellt er zumindest Freiexemplare dafür zur Verfügung?

Ihr könnt natürlich auch einen Artikel wie diesen hier schreiben und darauf hoffen, dass all eure LeserInnen aus tiefer Dankbarkeit für eure wertvollen Tipps euer (fabelhaftes, witziges, total tolles!!) Buch kaufen ... (Links auf Artikel mit vielen weiteren Ideen hier.)

Tja, so war und ist das mit meinem ersten Bilderbuch. Inzwischen ist mein zweites Kinderbuch, "Im Gemüsedschungel", bei einem anderen Verlag erschienen. Dafür musste ich mit der Suche wieder von vorn beginnen, denn das Manuskript war eindeutig nicht für ein Bilderbuch geeignet, weshalb Lappan gar nicht in Frage kam ..

Checkliste: Die Verlagssuche

  • In Buchhandlungen die entsprechenden Regale durchforsten und die dort vertretenen Verlage notieren - eventuell schon mit Anmerkungen zu bevorzugten Themen, Länge der Bücher etc.
  • Im "Banger" (hat jede Buchhandlung!) die Adressen/Telefon- oder Faxnummern dieser Verlage heraussuchen.
  • Ebenfalls im "Banger" in dem Teil "Fachbereiche der Verlage" (zum Beispiel unter dem Stichwort "Science fiction" oder "Kinder und Jugendbuch") nachschlagen und dann die Adressen/Telefon- oder Faxnummern der dort gefundenen Verlage ebenfalls nachschlagen und herausschreiben.
  • Telefonisch oder per Fax von diesen Verlagen (Pressestelle!) ein Verlagsprogramm anfordern (machen die umsonst!).
  • Eingehende Verlagsprogramme unter verschiedenen Aspekten sichten, zum Beispiel: Umfang des Programms (und Größe des Verlags), bevorzugte Themen, Länge der verlegten Bücher (sehr wichtig!!), angesprochene Altersgruppen, Bekanntheit des Verlags etc. Eine Datenbank erleichtert das Erfassen und den Zugriff auf diese Informationen.
  • Die für das eigene Manuskript passendsten Verlage herausschreiben und das (mit Namen und Adresse gekennzeichnete!) Manuskript mit einem kurzen, sachlichen Anschreiben an die ersten paar auf der Liste verschicken (je nach Geldbeutel - Porto! - und Einschätzung). Verschickt aber nichts an einen Verlag, der nicht zu eurem Manuskript passt - das ist programmierter Frust und herausgeworfenes Geld!
  • Eine Datei/Kartei anlegen, in der ihr vermerkt, wann ihr was an wen verschickt habt. Sonst verliert man leicht den Überblick, zumal die Reaktionszeiten der Lektorate sehr unterschiedlich sein können!
  • Bei jeder Absage das Manuskript mit einem neuen Anschreiben sofort wieder verschicken - an den nächsten Verlag auf der Liste (das beugt Frust vor!).
  • Bei Absagen nicht nachhaken - weder bei Formbriefen noch bei persönlichen Anmerkungen. Das bringt nichts außer Ärger! Besser berechtigte Kritik ernst nehmen und alles andere ignorieren.
  • Neue Chancen ("Schicken Sie uns doch einmal eine andere Geschichte") wahrnehmen und schnell und professionell reagieren.
  • Bei Angebot trotz aller Begeisterung den Vertragsentwurf genau prüfen (siehe Literatur am Ende des Artikels), strittige Punkte klären und überlegt verhandeln. Die Verlage rechnen damit, also keine Scheu! Aber setzt Prioritäten, verzettelt euch nicht in Kleinkram.
  • Nach Vertragsunterzeichnung nicht zurücklehnen, sondern noch anstehende Arbeiten sofort erledigen (zum Beispiel: Endfassung des Manuskripts auf Diskette schicken, Version in neuer Rechtschreibung schicken).
  • Sich über den Fortgang der Buchentwicklung auf dem Laufenden halten lassen, um gegebenenfalls noch Einfluss zu nehmen.

Checkliste: Werbung

  • Vor allem lokale Buchhandlungen zur Bestellung animieren und anbieten, einige Exemplare zu signieren.
  • Faltblatt für alle, die man kennt oder mal gekannt hat, mit allen wichtigen Bestellinformationen zusammenstellen und verschicken, sobald das Buch im Handel ist.
  • Lesungen anbieten.
  • Die lokalen Medien für das Buch interessieren.
  • Jede Gelegenheit zur Information nutzen (Telefonate, Briefe, EMails ...)
  • An Wettbewerben und Literaturpreisausschreibungen teilnehmen.
  • Den Verlag nach Vermarktungsideen fragen.
  • (weitere Ideen hier)

Lektüretipps

  • Sandra Uschtrin, Michael Joe Küspert (Hrsg.): Handbuch für Autorinnen und Autoren, 6., aktualisierte und erweiterte Auflage 2005, 700 Seiten, 43 Euro, Uschtrin Verlag. (Lohnt sich trotz des Preises auf jeden Fall! Unter anderem: kommentierter Vertrag, kommentierte Preise und Wettbewerbe, Anlaufstellen für Lesungen, Verlage und vieles mehr)
  • Sylvia Englert: So finden Sie einen Verlag für Ihr Manuskript, 1999, 265 Seiten, 29,80 DM, Campus Verlag. (Tipps von der Marktanalyse bis zur “Eigenförderung” von einer Verlagsinsiderin, außerdem praktische Tipps von 60 Autoren, Verlegerinnen, Redakteuren etc., die die Autorin interviewt hat)
  • Deutsches Jahrbuch für AutorInnen, Ausgabe 2000/2001, 570 Seiten, 39,80 DM, Autorenhaus-Verlag Plinke. (Ausführlich kommentierter Normvertrag; noch mehr Adressen als Uschtrin, aber in der Regel nicht so ausführlich kommentiert; so ziemlich jedes Thema rund ums Schreiben, meist in sehr kurzen Texten)
  • Kristiane Allert-Wybranietz: Wie finde ich den richtigen Verlag?, 1988, 204 Seiten, 12,90 DM, Heyne. (Anlaufstellen für Lesungen + Erfahrungsbericht, sehr ausführlich kommentierter Normvertrag, alles Mögliche rund ums Veröffentlichen, Fördermöglichkeiten etc.)

Seitenanfang

[Home] [Lektorat etc.] [Autorenecke] [Service] [Referenzen] [Kontakt]